Schachclub Villingen e.V. Info IV / 2001

 

Liebe Schachfreunde,

wenn ein Jahr zu Ende geht, halten wir gerne Rückblick. Im Schachclub Villingen durften wir uns in diesem Jahr über die Aufwertung der ersten Mannschaft durch starke Spieler freuen, die dem Verein schon seit Jahren verbunden sind und aufgrund ihrer Spielstärke begierig sind, den Aufstieg in die Verbandsliga zu schaffen. Die zweite Mannschaft hat die Bereichsliga erklommen und schlägt sich dort ehrenhaft. Die Senioren streben wieder die Bezirksmeisterschaft an und die Ergebnisse einzelner Spieler in Turnieren, Vadim Höhn sei hier für alle anderen genannt, können sich sehen lassen.

Doch Erfolge allein machen noch keinen Schachclub. Zu einem Schachclub gehören auch gemeinsames Engagement, Teilnahme an den Turnieren, die der Verein veranstaltet, und Anwesenheit beim Vereinsabend. Es gibt zu viele, die sich hier nicht sehen lassen! Es wäre schön, wenn gerade die Mitglieder der ersten Mannschaft zahlreicher am Vereinsabend teilnähmen und jüngeren Schachspielern etwas von ihrem Können vermittelten. Das Vereinsturnier könnte noch spannender sein, wenn alle unsere starken Spieler mitspielten.

Ihr werdet vielleicht sagen, dann macht doch erst mal den Vereinsabend attraktiver. Darüber kann man reden, auch über die Bedingungen beim Vereinsturnier kann man diskutieren. Soll die DWZ-Wertung beibehalten werden oder begnügen wir uns beim Vereinsturnier mit kürzerer Bedenkzeit? Macht bitte Vorschläge, sprecht mich an, schickt mir ein E-mail! Der Schachclub Villingen ist euer Schachclub! Helft mit, ihn am Leben zu erhalten!

Ich wünsche Euch und Euren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes und glückliches Neues Jahr 2002!

Rudolf Thiemke

RudiThiemke@aol.com

Hans Schneider 75

Hans Schneider feierte am 19. November seinen 75. Geburtstag. Nach seiner Heimkehr von der Kriegsgefangenschaft gehörte der gebürtige Konstanzer bald zu den ersten Mitgliedern des Schachclubs Villingen, der 1946 wiedergegründet worden war. Neben seiner beruflichen Tätigkeit am Finanzamt engagierte er sich als Schriftführer und leitete den Schachclub Villingen 27 Jahre lang als Erster Vorsitzender von 1964 bis 1991. Während seiner Amtszeit fand 1975 der Badische Schachkongreß in Villingen statt, es gelang ihm, den deutschen Großmeister Wolfgang Unzicker und Vizeweltmeister Viktor Kortschnoj für Simultanvorstellungen in Villingen zu gewinnen, und 1983 holte er den Jugendländerkampf Deutschland-Schweiz in die Zähringerstadt. Es ist mit sein Verdienst, daß seit 1974 die Stadtmeisterschaft Villingen-Schwenningen ausgetragen wird, die er 1976 auch gewinnen konnte. Sechsmal wurde er Vereinsmeister des SC Villingen. und bis zum heutigen Tag ist er als erfahrener und angriffslustiger Turnierspieler im Bereich Schwarzwald-Bodensee bekannt. Seine Erfahrung gab er in Schachkursen an junge Nachwuchsspieler weiter, und daß einige von ihnen heute zu den besten in der Region zählen, ist der schönste Lohn für seinen Einsatz. Hans Schneider ist Ehrenvorsitzender des SC Villingen und wurde vom Badischen Schachverband mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Wir wünschen dem Jubilar Gesundheit, Glück und Zufriedenheit und weiterhin viel Freude am königlichen Spiel.

Die folgende Partie zeigt Angriffsstil und schachliches Können unseres Ehrenvorsitzenden.

Hans Schneider - N.N., Wettkampf Konstanz-Villingen 1984, Sizilianisch (Morra-Gambit).

1.e4 c5 2.d4 cxd4 3.c3 dxc3 4.Sxc3 Sc6 5.Sf3 g6. Schwarz wählt einen riskanten Aufbau, denn der folgende Zug von Weiß übt starken Druck auf f7 aus. 6.Lc4 Lg7 7.0–0 d6 8.De2 Lg4? 9.Lxf7+ Zerstörung der Bauerndeckung. 9...Kf8 10.Lb3 Sd4? Auf 10....Lxc3 folgt 11.Dc4 mit starkem Angriff (J. Kirmas - B. Roeber, 1994) 11.Sxd4! Lxe2 12.Se6+ Ke8 13.La4+ b5 14.Sxb5!! Meisterhaft im Stil von Paul Morphy! 14....Da5 15.Sxd6# . 1–0

Ergebnisse

Landesliga                                Bereichsliga
Villingen I - Radolfszell 6:2        St. Georgen - Villingen II 5,5:2,5
Villingen I - Meßkirch 4:4           Villingen II - Pfullendorf II 5,5:2,5
Konstanz II - Villingen I 4,5:3,5  Singen II - Villingen II 3:5
Villingen I - Singen I 6,5:1,5       Villingen II - Bräunlingen I 3:5

Durch das magere Ergebnis von 4:4 gegen Meßkirch und eine unglückliche Niederlage gegen Konstanz II hat die erste Mannschaft den Anspruch auf die Tabellenspitze verloren, aber der klare Sieg gegen Singen I sollte der Mannschaft neuen Auftrieb geben. Unerwartet kam der Sieg der zweiten Mannschaft über Singen II.

Bezirkspokal

3,5:0,5 gewann Villingen I gegen Donaueschingen II nach Siegen von Höhn, Dittmar und Klostermann. Nur Cerff mußte nach Figurenverlust um ein Remis kämpfen; er brachte seinen Gegner Bartle dazu, ihn patt zu setzen. Donaueschingen I warf dann allerdings die Mannschaft mit Höhn, Ragni, Klostermann und Cerff mit 4:0 aus dem Pokalwettbewerb. Villingen II hatte leichtes Spiel beim 3,5:0,5 gegen Furtwangen IV. Rösch, Bachl und Siegert profitierten von groben Fehlern ihrer Gegner, Sartor spielte remis gegen Borgert. Das gleiche Ergebnis erzielte die Mannschaft gegen Bräunlingen II. Berger gewann eine Figur gegen Koch, Rösch bewies seine Kaltblütigkeit im Turmendspiel gegen Brugger, Bachl erreichte ein glückliches Remis gegen Marion Guth und Hans Schneider bezwang Majer in einem glänzenden Angriff.

Senioren

Das Aufeinandertreffen von Villingen II und Villingen I in der ersten Runde der Senioren-Mannschaftsmeisterschaft entwickelte sich zu einem spannenden Duell, bei dem die zweite Seniorenmannschaft durch Siege von Gerhardt gegen Hans Schneider und Sartor gegen Weber bewies, daß sie in der Bezirksmeisterschaft vorne mitspielen will. Für Villingen I punkteten Bachl gegen Ketterer und Hermann Schneider gegen Urbanietz, Endstand 2:2.

Bad Dürrheim - Villingen I 0,5:3,5    Königsfeld - Villingen II 3:1
Villingen I - Königsfeld 3:1                Villingen II - Donaueschingen 3:1
Donaueschingen - Villingen I 1:3     St. Georgen - Villingen II 2,5:1,5

An der Spitze liegt St. Georgen mit 6:0 Punkten vor Villingen I mit 5:1. Am 9. Januar spielt Villingen I gegen St. Georgen und kann durch einen Sieg Bezirksmeister werden.

Walter K.F. Haas - Gedenkturnier

Zusammen mit dem Schachbezirk Schwarzwald veranstaltete der SC Villingen das erste Gedenkturnier zu Ehren unseres verstorbenen Schachfreundes Walter K.F. Haas. Senioren und Nestoren kämpften um die von Frau Lilli Haas gestifteten Pokale. Nach fünf Runden mit 30 Minuten Bedenkzeit stand bei den Nestoren Richard Urbanietz als Pokalsieger vor Raimund Weiss, SC Neustadt fest, während bei den Senioren ein Stichkampf über den Gewinn des Wanderpokals entscheiden mußte. Hier kam Anton Bachl das Glück zu Hilfe, als sein Gegner Georg Bartle die Dame einstellte. Den 3. Platz teilten sich Dieter Marzluf, SC Bad Dürrheim, und Heinz Weber mit je 3,5 Punkten.

Zu Beginn des Turniers würdigte der Vorsitzende des SCV, Rudolf Thiemke, den Schachspieler und Schachpublizisten Walter K.F. Haas. Reiner Kurt, der Seniorenwart des Bezirks, hatte eine Ausstellung mit Photos und schriftlichen Beiträgen von Walter K.F. Haas vorbereitet, die vor allem wegen der "alten" Bilder reges Interesse fand.

Stadtmeisterschaft am 24./25.11.2001 in VS-Schwenningen

1. Schlenker, Jörg

6,5

5. Schwindt, Viktor

3,0

2. Klostermann, Dietmar

4,5

6. Cerff, Peter

3,0

3. Berger, Hauke

3,5

7. Rösch, Anton

2,5

4. Reutter, Joachim

3,5

8. Hirt, Robert

1,5

Ekkehard-Meissel-Gedenkturnier am 18.11.2001 in Köngsfeld

Vadim Höhn gewann das gut besuchte Ekkehard-Meissel-Gedächtnisturnier souverän mit 8 Punkten aus 9 Runden vor Michael Schmid aus Konstanz. Peter Cerff und Dietmar Klostermann, der den Wanderpokal aus dem letzten Jahr zu verteidigen hatte, belegten mit jeweils 6 Punkten die Plätze 4 und 6. Erfreulich war die zahlreiche Teilnahme von jugendlichen Schachspielern, während offenbar Senioren dieses Turnier meiden, weil kein getrennter Seniorenwettbewerb stattfindet. Endstand nach 9 Runden:

Teilnehmer

DWZ

Verein

Punkte

Buchholz

  1. Höhn, Vadim

2034

SC Villingen

8,0

49,0

  • Schmid, Michael
  • 2104

    SVG Konstanz

    6,5

    50,0

  • Schlenker, Rainer
  • 2099

    SC Schwenningen

    6,0

    50,0

  • Cerff, Peter
  • 1936

    SC Villingen

    6,0

    48,5

  • Heimers, Remy
  • 1956

    SC "e1" Königsfeld

    6,0

    43,5

  • Klostermann, Dietmar
    1. 1930

      SC Villingen

      6,0

      40,5

      Die nächsten Termine

      Landesliga                                               Bereichsliga
      13.01.2002 Pfullendorf I - Villingen I        12.01.2002 Überlingen - Villingen II
      27.01.2002 Villingen I - Furtwangen        26.01.2002 Villingen II - Stockach
      17.02.2002 Gottmadingen II - Villingen I 16.02.2002 Neustadt II - Villingen II
      10.03.2002 Villingen I - Neustadt             09.03.2002 Königsfeld I - Villingen II

      Jugendschach

      Der Initiative von Reiner Kurt und Steve Burrows vom SC Königsfeld ist es zu verdanken, daß auch dieses Jahr für die Schachjugend des Bezirks ein Dreikampf (Schach, Tischtennis, Dart) angeboten wurde, an dem aus Villingen acht Jugendliche teilnahmen. Für jeden Teilnehmer gab es einen Preis, allen Jugendlichen hat es gut gefallen.

      An der Haslachschule wird der Schachkurs fortgeführt, jetzt getrennt für Anfänger und Fortgeschrittene. Glücklicherweise ist die Zahl der Anfänger inzwischen etwas geschrumpft, in den ersten Stunden waren es mal bis zu 26 Kinder - ein Alptraum für einen Schachtrainer, der nicht ausgebildeter Pädagoge ist. Die fortgeschrittenen Schachspieler haben am 22. November in Königsfeld um den Mannschafts-Schulschachpokal gekämpft und mit einem halben Brettpunkt Abstand hinter der Mannschaft des Fürstenberg-Gymnasiums Donaueschingen den zweiten Platz belegt.

      Schachtraining mit Dietmar Klostermann (III) - Marshallangriff (Spanisch)

      1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0–0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 0–0 8.c3 d5. Mit diesem Zug überraschte Marshall seinen Gegner Capablanca bei ihrem Wettkampf 1918. Schwarz erhält für den Bauern Entwicklungsvorsprung und Angriffschancen.

      9.exd5 (9.d4 bringt nach einer Analyse von Tal Schwarz in Vorteil: 9...exd4 10.e5 Se4 11.Sxd4 Sxe5 12.f3 c5 13.fxe4 cxd4 14.cxd4 Lg4 15.Dd2 Sc4)

      Variante I: 9...e4. Weiß kann nun entweder aktiv 10.Sg5 oder umsichtig 10.dxc6 spielen:

      IA: 10.Sg5 Lg4 Weiß verfügt über zwei natürliche Erwiderungen:

      a) 11.f3 exf3 12.gxf3 Sxd5 13.Sxh7 (13.Sxf7 Txf7 14.fxg4 Dd6 15.d4 Taf8 und die weiße Stellung wird kritisch)13...Ld6 14.Lxd5 Lxh2+ 15.Kxh2 Dh4+ 16.Kg2 Dh3+ 17.Kg1 Dg3+ 18.Kh1 Schwarz hat mindestens Dauerschach oder kann sogar versuchen zu gewinnen: 18...Kxh7 19.fxg4 Th8 20.Lg2 Kg8+ 21.Kg1 Th2 22.Te2 Se5 23.Tf2 Te8 24.d4 Sxg4 25.Dxg4 Te1+ und Matt in zwei Zügen.

      b) 11.Dc2 Se5 12.Sxe4 Sxe4 13.Dxe4 (13.Txe4? Lf5 14.d3 Lxe4 15.dxe4 Lc5 und Schwarz hat reale Gewinnchancen) 13...Ld6 14.f4 f5 15.De3 Sg6 16.g3 Te8 17.Df2 Txe1 18.Dxe1 mit weißer Initiative.

      IB: 10.dxc6 exf3 11.Dxf3 Lg4 12.Dg3 (12.De3 Te8 13.d4 Ld6 14.Dd2 Lf4 15.Txe8+ Dxe8 16.Dd3 De1+ und Weiß muß die Waffen strecken. Tislenko-Pakulis, Liepaja 1981) 12...Te8 13.f3 Dd3 14.fxg4 Lc5+ 15.Te3 (15.Kh1 Txe1+ 16.Dxe1 Te8 17.Dd1 Sxg4 und Schwarz gewinnt) 15...Sd5 16.Df3 Sxe3 17.dxe3 Te6 18.Lxe6 fxe6 19.Df1 Dc2 20.Sa3 Lxa3 21.bxa3 Td8 22.Lb2 Dxb2 23.Td1 Td2 24.h3 Dxc3 25.De1 Txd1 26.Dxd1 Dxc6 mit gewonnenem Endspiel für Schwarz. Polugajewski-Iwaschin, Kuibyschew 1949.

      Schachproblem Nr. 10

      Matt in zwei Zügen (A. d´Orville, 1842)
      W: Kh1, Df2, Ta5, Sd8, Bc3
      S: Ke4

      Lösung von Nr. 9 aus Info III/2001: 1.Db7 Kh5:/Kf6 2.Dh7/Th6#. Ein Modellmatt, weil alle weißen Steine sich daran beteiligen und die angrenzenden Felder für den sK nur aus einem Grund unzugänglich sind!

      Zu guter Letzt

      Ich stehe immer wie über einem Schachspiel und halte keinen Zug des Gegners für unbedeutend.

      Johann Wolfgang von Goethe, Egmont II. Akt

      Anton Bachl Weiherstraße 13/2 78050 Villingen-Schwenningen Tel. 07721-4820 anton.bachl@t-online.de