Schachclub Villingen e.V. Info II / 2004

 

Ehrung für Siegfried Ketterer und Heinz Weber

Für 50-jährige Mitgliedschaft wurden Siegfried Ketterer und Heinz Weber mit der goldenen Ehrennadel des Badischen Schachverbandes ausgezeichnet. Beide sind lebender Beweis dafür, daß vor allem langjährige Mitglieder die Grundpfeiler eines jeden Vereins sind.

Siegfried Ketterer wuchs in Mönchweiler auf, wo er mit 17 Jahren seine erste Schachpartie gegen einen Kollegen spielte. Bei der Kienzle Apparate GmbH hatte er eine Lehre als Feinmechaniker gemacht und wurde 1939 zunächst vom Militärdienst befreit, weil seine Firma kriegswichtige Teile produzierte. Aber 1940 holte man ihn zu den Soldaten, wo er als Funker ausgebildet wurde. Kurz nach der Invasion der Alliierten wurde er im Sommer 1944 bei Cherbourg verwundet und als er nach der Notoperation aus der Narkose erwachte, fand er sich in amerikanischer Gefangenschaft wieder, die ihm Genesung und anschließenden Arbeitseinsatz in USA und England bescherte. Noch heute bereut er es, die während der Gefangenschaft gebotenen Möglichkeiten zur Erlernung der englischen Sprache nicht genutzt zu haben - er zog es vor, in seiner Freizeit Schach zu spielen. Weihnachten 1947 wurde Siegfried Ketterer in die Heimat entlassen und fand im Frühjahr 1948 Arbeit bei Kienzle, wo er bis zu seiner Pensionierung 1980 Büromaschinen montierte und prüfte. 1954 schloß er sich dem Schachclub Villingen im damaligen Café Raben an. Über viele Jahre gehörte er zu den Stammspielern der ersten Mannschaft, ist heute Mitglied in der Seniorenmannschaft und gewann erst im letzten Jahr die Nestoren-Meisterschaft im Walter-K.F.-Haas-Turnier. Schach hält den 84-jährigen jung und geistig fit - seine Gegner kriegen es immer wieder zu spüren.

Heinz Weber erlernte das Schachspiel im Krankenhaus Konstanz. Durch einen Berufsunfall, bei dem er den rechten Arm verlor, war er 1953 monatelang ans Bett gefesselt. Ein Arzt, der Nachtdienst hatte, brachte ihm das Schachspielen bei. Nach seiner Entlassung übersiedelte er 1954 nach Villingen zu seinen Eltern und trat auch gleich dem Schachclub Villingen bei, den er nicht nur als zuverlässiger Spieler in vielen Wettkämpfen unterstützte, sondern auch 12 Jahre lang als zweiter Vorsitzender leitete. Besonders gerne erinnert er sich an die Wettkämpfe, die der Internationale Schachring Bodensee bis in die siebziger Jahre veranstaltete und bei denen Villingen mehrmals unter mehr als 60 Mannschaften aus den Anrainerstaaten den ersten Platz belegte. 1961 bis 1965 war Heinz Weber Turnierleiter im Schachbezirk Schwarzwald und sein Organisationstalent fand allgemeine Anerkennung, als er 1975 beim Badischen Schachkongreß als Quartiermeister für die Unterbringung von einigen hundert Schachspielern in Villingen sorgte. Für seine Verdienste um den Schachsport in Baden wurde er mit der silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet. Er spielte mit großem Erfolg in der ersten Mannschaft, seine besondere Leidenschaft aber galt dem Blitzschach, wo er innerhalb von fünf Minuten manchen stärkeren Gegner überrumpeln konnte; mehrmals wurde er in dieser Disziplin Vereinsmeister. Er spielt, soweit es ihm seine Gesundheit erlaubt, regelmäßig bei Mannschaftskämpfen mit und hat Freude an seiner Sammlung schöner Schachspiele aus vielen Ländern. Zu seinen Hobbys gehört aber auch das Malen; wer ihn besucht, kann sich davon überzeugen, daß viele ansprechende Bilder sein Heim schmücken.

Ergebnisse

Verbandsliga Bereichsliga

Villingen I - Iffezheim I 4,0:4,0 Villingen II - Neustadt II 3,5:4,5

Engen I - Villingen I 5,5:2,5 Bad Dürrheim I - Villingen II 4,0:4,0

Villingen I belegte in der Verbandsliga den letzten Tabellenplatz und steigt in die Landesliga ab. Die Spielzeit war gekennzeichnet durch eine Reihe knapper Niederlagen, so daß mit etwas mehr Glück der Abstieg wohl hätte verhindert werden können. Unentschuldbar aber ist, daß die Mannschaft in der letzten Runde gegen Engen mit sechs Spielern antrat. Eine Mannschaft, die so wenig Zusammenhalt beweist, wird es auch in Zukunft schwer haben.

Villingen II leistete sich gegen Neustadt eine Niederlage, so daß es in der letzten Runde gegen das punktgleiche Bad Dürrheim nochmals spannend wurde. Die Punkteteilung befördert nun beide Mannschaften in die Landesliga, Villingen II wurde mit 12 Mannschaftspunkten und 42 Brettpunkten Sieger in der Bereichsliga vor Bad Dürrheim (12/40,5).

Die nachstehende Tabelle zeigt die Ausbeute der in den Verbandsspielen eingesetzten Spieler. Wie schwer es ist, in der Verbandsliga an einem der vorderen Brettern zu spielen, zeigt das Beispiel von Vadim Höhn, der letztes Jahr noch mit einer Ausbeute von 75 % weit vorne lag und in dieser Saison sich mit einem Sieg und einem Remis begnügen mußte. Anderen erging es nicht viel besser. Deshalb sollte sich die zweite Mannschaft rechtzeitig mit dem Gedanken vertraut machen, daß die berechtigte Freude über den Aufstieg schon bald durch empfindliche Niederlagen getrübt werden kann.

Name

Spiele

Punkte

%

Name

Spiele

Punkte

%

Gutmann, Andre

1

1,0

100,0

Gentner, Nils

9

4,5

50,0

Metzger, Michael

1

1,0

100,0

Geißer, Karl-Heinz

3

1,5

50,0

Bachl, Anton

9

7,0

77,8

Kloss, Viktor

2

1,0

50,0

d'Acunto, Michele

7

5,0

71,4

Klostermann, Dietmar

9

4,0

44,4

Weber, Heinz

6

4,0

66,7

Fugmann, Bernd

9

4,0

44,4

Hrusc, Jakov

6

4,0

66,7

Siegert, Peter

7

3,0

42,9

Janasik, Gerhard, Dr.

5

3,0

60,0

Berger, Hauke

9

3,5

38,9

Bittner, Friedemann

6

3,5

58,3

Dittmar, Hans-Joachim

8

2,5

31,3

Burggraf, Thomas

8

4,5

56,3

Ragni, Marco

5

1,5

30,0

Cerff, Peter

9

5,0

55,6

Höhn, Vadim

7

1,5

21,4

Klostermann, Eduard

9

5,0

55,6

Janovics, Andrej

4

0,5

12,5

Vereinsmeisterschaft

Mit beeindruckenden neun Punkten aus neun Partien gewann Nils Gentner das Vereinsturnier vor Anton Bachl (7) und Hans-Joachim Dittmar (6,5). Im Endspiel des Vereinspokals behielt Hans-Joachim Dittmar gegen Peter Cerff die Oberhand, im Kampf um den dritten Platz ließ Dietmar Klostermann seinem Gegner Rudolf Thiemke keine Chance. Herzlichen Glückwunsch den Siegern!

Schnellschachturnier am 15.5.2004

Bei nur 8 Teilnehmern gewann Dietmar Klostermann mit 5,5 Punkten aus 7 Partien das Turnier vor Peter Cerff und Johann Gerhardt, die auf 5 Punkte kamen und die Plazierung durch zwei zusätzliche Blitzpartien unter sich ausmachten. Wir gratulieren den Siegern!

Bezirks-Blitz-Einzelmeisterschaft am 14.5.2004

Jörg Schlenker vom SC Donaueschingen gewann die Meisterschaft mit 17,5 Punkten vor Dietmar Klostermann (15) und Hans-Joachim Dittmar (14,5). Aus dem gesamten Bezirk waren nur neun Blitzspieler bereit, sich dem Wettkampf zu stellen.

Schnellschachturnier in Pfalzgrafenweiler am 6.6.2004

Neun Villinger Schachspieler nahmen an dem 15-Minuten-Turnier in neun Runden teil, bei dem Vadim Höhn einen bemerkenswerten vierten Platz belegte, noch vor dem badischen Spitzenspieler Max Scherer. Dietmar Klostermann wurde bester Senior.

Schachtraining mit Dietmar Klostermann (XI) - Italienische Partie
II. Möller-Angriff

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 Nicht 5...Lb6 wegen 6.dxe5 Sxe4 7.Dd5!± 6.cxd4 Lb4+ Auf 6...Lb6 kommen die weißen Zentrumsbauern in Gang: 7.d5 Se7 8.e5 Sg4 9.d6 Sxf2 10.Db3 Sxh1 11.Lxf7+ Kf8 12.Lg5+- 7.Sc3!? Sxe4 8.0–0 Lxc3 Nur so geht es! 8...Sxc3 9.bxc3 Lxc3 10.La3 d5 11.Lb5 Lxa1 12.Te1+ Le6 13.Da4 Tb8 14.Se5+- 9.d5 Lf6 10.Te1 Se7 11.Txe4 d6 12.Lg5 Lxg5 13.Sxg5 h6 14.De2 hxg5 15.Te1 Le6 16.dxe6 f6 mit Gleichgewicht. Weiß möchte in das schwarze Lager einbrechen. Schwarz versucht, ein einfaches Endspiel ohne die Damen auf dem Brett zu erreichen.

III. Geschlossenes Zentrum mit 4...Sf6 ohne 5.d4

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d3 d6 Schwach ist 5...d5 6.exd5 Sxd5 7.0–0 0–0 8.Te1 Te8 9.b4! und mit 10.Db3 gewinnt Weiß mindestens den Bauer e5. 6.0–0 0–0 7.Sbd2 a6!? Eine Feinheit: Macht Platz für Lc5 und bedroht mit 8....Sa5 den Lc4. 8.Lb3 La7 9.h3 h6 10.Te1 Sh5 Es könnte weiter folgen:

A) 11.Sf1 [11...Df6 12.Le3 Sf4 13.Lxa7 Txa7 14.Kh2 Se7 15.Se3 Ta8 oder

B) 11.Sc4 Df6 12.Se3 Sf4 13.Sd5 Sxd5 14.Lxd5 Le6 mit beidseitigen Chancen.

Partien zur Theorie:

Boleslavsky - Seitow [C54], Moskau, 1933.

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 6.cxd4 Lb6? 7.e5 Sg4 8.h3 Sh6 9.d5 Se7 10.d6 Sg6 11.Lg5 f6 12.exf6 gxf6 13.De2+ Kf8 14.Lxh6# 1–0

Milojic - Dee Wu [C54], Columbus, Ohio, 1984.

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.c3 Sf6 5.d4 exd4 6.e5 d5 7.exd6 Dxd6 8.0–0 0–0 9.b4 Lb6 10.La3 Se5 11.Sbd2 Td8 12.Lb2 Sfg4 13.h3 Sxc4 14.hxg4 Sxb2 15.Dc2 dxc3 16.Dxc3 Dxd2 17.Tad1 Sxd1 18.Txd1 Dxf2+. 0–1

In einem kurzen Beispiel zeigen wir, wie gefährlich kleine Fehler in dieser Variante sind:

Koltanowski - Furst [C50], 1980

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 4.0–0 Sf6 5.d4 Lb4? Richtig ist Lxd4. 6.dxe5 Sxe4 7.Dd5 d6 8.Dxf7# 1–0

Verteidigung der Ehre der Menschheit

Als 1997 Gary Kasparow gegen den Computer Deep Blue verlor, schrieb das TIME Magazine, diese Niederlage sei vergleichbar mit dem Druck der Gutenberg-Bibel, der ersten Photographie, dem ersten Tonfilm und der Erfindung des Internets. Schachspieler, die die Partien dieses Wettkampfes verfolgt haben, wissen es besser: Kasparow hat einfach schlimme Fehler gemacht.

Daß Computer nicht Schach spielen können, zeigt sich immer wieder. 2001 spielte NewRival1816 gegen Faile06, als nur noch die beiden Könige auf dem Brett waren, 493 Züge lang weiter, bis der Schiedsrichter die Partie remis gab. Die Ursache für merkwürdige Züge ist auch in der Eröffnungsbibliothek mancher Programme zu suchen, die teilweise Fehler enthalten, die unbesehen übernommen werden. Und als das Schachprogramm XiniX den von allen seinen Figuren verlassenen König bei der offenen holländischen Computermeisterschaft 2000 mit zwei Damen nicht mattsetzen konnte, eine dritte Dame holte und schließlich nach Zeit verlor, konnte man nur einen Programmierfehler vermuten.

Der deutsche Schachspieler Eduard Nemeth, DWZ 2100, hat eine Strategie entwickelt, mit der er jedes bekannte Schachprogramm besiegt. Er beginnt mit einer geschlossenen Stellung, vorzugsweise der bekannten Igelstellung, und wartet so lange ab, was der Computer macht, bis der in Zeitnot schlechte Züge macht und verliert. Oder er wirft dem Computer Figuren zum Fraß vor, wie im folgenden Beispiel, wo Fritz in seinem Materialismus nicht widerstehen konnte (E. Nemeth - Fritz):

1.e4 c5 2.e5 Sc6 3.f4 g5 4.Lc4 gxf4 5.d4 cxd4 6.c3 dxc3 7.Lxf7+ Kxf7 8.Dh5+ Ke6 9.Dh3+ Kxe5 10.Lxf4+ Kxf4 11.Dh5 Da5 12.Se2+ Ke4 13.Sbxc3+ und Matt.

Eine andere Strategie von Nemeth ist die Öffnung der h-Linie durch ein Läuferopfer auf g5 bzw. g4 (Shredder 5 - E. Nemeth):

1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 f6 5.d4 d6 6.c3 h5 7.Le3 Lg4 8.0–0 Le7 9.d5 b5 10.Lc2 Sa7 11.a4 f5 12.h3 f4 13.Lxa7 Txa7 14.hxg4 hxg4 15.Sfd2 Sh6 16.axb5 Lf8 17.g3 Dg5 18.La4 Dh5 19.Sf3 Sf5 20.Sh4 Sxh4 21.bxa6+ Ke7 22.Te1 Sf5 23.Kf1 f3 und Matt.

Doch Nemeths größte Erfindung ist wahrscheinlich sein Anti-Computer-Gambit, hier in einer Partie E. Nemeth - Hiarcs, das man als Nemeth-Gambit bezeichnen möchte:

1.e4 c5 2.Sa3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Lc4 Sf6 5.h3 Sxe4 6.Lxf7+ Kxf7 7.Dh5+ Ke6 8.Dg4+ Kd5 9.c4+ dxc3 10.Le3 Se5 11.0–0–0+ Sd2 12.De2 Da5 13.Lxd2 cxd2+ 14.Txd2+ Ke6 15.f4 Kf6 16.fxe5+ Dxe5 17.Df2+ Kg6 18.Sf3 Df6 19.Sb5 Df4 20.g3 Dc4+ 21.Tc2 Dxb5 22.Sh4+ Kh6 23.Tc5 Dxc5+ 24.Dxc5 e6 25.De3+ g5 26.Tf1 Lg7 27.Sf5+ Kg6 28.Sxg7 und Weiß gewinnt.

Frei nach Tim Krabbés Chess Curiosities (http://www.xs4all.nl/~timkr/chess2/honor.htm).

Schachproblem Nr. 20

Matt in zwei Zügen (S. Loyd, 1880)

W: Ke4, Dg4, Tc8, Sd5

S: Kd6, Bg5

Lösung von Nr. 19 aus Info I/2004: 1.Dh7 Kb7 2.e8D#. Witzig - mit nur vier Steinen!

Zu guter Letzt

Vergiß nie, daß die andern auf dich zählen, aber zähle nicht auf sie!

Alexander Dumas, 1824-1895

Anton Bachl Weiherstraße 13/2 78050 Villingen-Schwenningen Tel. 07721-4820 anton.bachl@t-online.de