Schachclub Villingen e.V. Info IV / 2005
Liebe Schachfreunde,
ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest möchte ich allen Mitgliedern unseres Schachclubs im Kreise ihrer Familienangehörigen wünschen. Möge das kommende Jahr Ihnen Gesundheit und Erfolg bringen. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei den Spielern, die sich aktiv bei unseren Mannschaftskämpfen eingesetzt haben. Auch gilt mein Dank allen, die dazu beigetragen haben, unser Jubiläumsturnier in diesem Jahr zu organisieren und durchzuführen. Ohne die engagierte Hilfe unserer Mitglieder hätte dieses Turnier nicht stattfinden können.
Rudolf Thiemke, Vorsitzender
Zähringen - Villingen I 4,5:3,5 Villingen II - Singen 5,5:2,5
Villingen I - Gernsbach 4,0:4,0 Konstanz III - Villingen II 4,0:4,0
Waldshut II - Villingen I 7,0:1,0 Villingen II - Engen II 2,5:5,5
Villingen I - Dreisamtal 6,5:1,5 Gottmadingen I - Villingen II 5,0:3,0
Die erste Mannschaft hat - wieder einmal - Aufstellungsprobleme, weil nicht alle Spieler bereit sind, sich voll und ganz für ihre Mannschaft einzusetzen. Die zweite Mannschaft ist trotz der jüngsten Niederlagen zuversichtlich, den Klassenerhalt zu schaffen.
Villingen III - Bad Dürrheim II 7,5:0,5 Villingen III - Neustadt III 7,0:1,0
Neustadt II - Villingen III 5,0:3,0
Von unseren drei Mannschaften ist Villingen III immer noch die erfolgreichste. Einige Spieler haben schon vom Aufstieg geträumt, wurden aber durch die Niederlage gegen Neustadt wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt.
St. Georgen - Villingen I 1,0:3,0 Bräunlingen - Villingen II 3,0:1,0
Damit ist Villingen II aus dem Wettbewerb ausgeschieden, Villingen I erwartet Furtwangen-Vöhrenbach als nächsten Gegner.
Villingen I - Bräunlingen 2,5:1,5 Neustadt I - Villingen II 0,0:4,0
Villingen I - Villingen II 3,0:1,0 St. Georgen - Villingen II 0,0:4,0
Königsfeld - Villingen I 0,5:3,5 Villingen II - Neustadt II 3,0:1,0
Donaueschingen I - Villingen I 1,0:3,0 Villingen II - Bad Dürrheim 2,0:2,0
Villingen I - Bad Dürrheim 3,5:0,5 Villingen II - Donaueschingen 2,0:2,0
Die Senioren von Villingen I befinden sich zielstrebig auf dem Weg zur Bezirksmeisterschaft, die Entscheidung wird im Januar gegen St. Georgen fallen. Villingen II schlägt sich tapfer und will sich dieses Mal nicht mit dem vorletzten Platz zufriedengeben.
Nach drei Runden führt
Heimers, Philipp - Bachl, Anton, Vereinsturnier,
Villingen 22.11.2005, Damenindisch. Kommentiert von
Es war eine spannende Partie, typisch für die Auseinandersetzung zwischen jung und alt. Im Mittelspiel opferte Weiß seinen Läufer auf h7 und hätte gewinnen können. Stattdessen erlaubte er Schwarz, die Damen zu tauschen und sich mit einem Minusbauern und ungleichfarbigen Läufern aus der Affäre zu ziehen. Im Endspiel entschied dann die Routine. Weiß stellte alle seine Bauern auf die Farbe seines schwarzfeldrigen Läufers und überließ die weißen Felder dem schwarzen König, der in aller Ruhe bis zum Damenflügel spazierte, um sich dort an den weißen Bauern gütlich zu tun.
1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.e3 b6 4.Ld3 Lb7 5.Sbd2 c5 6.c3 Sc6 7.0–0 d6 8.Te1
cxd4 9.exd4 Le7 10.Se4 Sxe4 11.Lxe4 d5 12.Ld3 0–0 13.Lf4 Tc8 14.Se5 Lf6 15.Sxc6
Txc6 16.Te3 a6? 16...g6 wäre richtig gewesen. 17.Lxh7+! Das klassische Läuferopfer. 17...Kxh7 18.Dh5+ Kg8 19.Th3 Lh4 20.Txh4 f6 21.Lh6? 21.Dh7+ Kf7 22.Tg4 Tg8 23.Lh6 Df8 24.Dg6+ Ke7 25.Lxg7 Df7
26.Lxf6+ hätte gewonnen. 21...De8
22.Dxe8? Nach dem Damentausch darf Schwarz auf Remis hoffen. Txe8 23.Le3 g5 24.Th3 Lc8 25.Tg3 Kf7
26.Ld2 Ld7 27.h3 b5 28.a3 e5 29.dxe5 Txe5 30.Te3 Tce6 31.Tae1 Kg6 32.Txe5 Txe5
33.Txe5 Nach 33.Td1 steht Weiß immer noch gut und kann gewinnen. 33...fxe5 34.Le3 g4 35.hxg4 Lxg4 36.g3? Schwächt
die weißen Felder und entwertet die Mehrheit auf dem Königsflügel. Kf5 37.Kf1 Ke4 38.Ke1 Kd3 39.Ld2 e4 40.b4?
Noch konnte Weiß remis halten mit 40.Le3 Kc2 41.Lc5 Kxb2 42.Kd2. 40...Kc2 41.Le3 Kxc3 42.Lc5 d4 43.Lxd4+
Kxd4 44.Kd2 Lf5 45.Ke2 Kc3 46.Ke3 Kb3 47.Kd4 Kxa3 48.Kc3 Ka4 0–1
Die erste Runde sollte am 27.10.2005 abgeschlossen werden. Jetzt ist fast Weihnachten und noch immer sind Partien offen, so daß über das Ergebnis der ersten Runde nicht berichtet werden kann. Ist aber auch wieder verständlich, weil die zweite Runde erst für Februar 2006 geplant ist. Woraus folgt: Je länger sich ein Turnier hinzieht, desto lahmer ist das Interesse daran. Eigentlich könnte man die vier Runden, die wir für unseren Vereinspokal in der Regel brauchen, auch innerhalb von vier Wochen spielen ....
36 junge Schachspieler trafen sich in der
Albert-Schweitzer-Schule in Villingen, um die Jugendmeisterschaft des Schachbezirks
Schwarzwald auszutragen. In der Altersklasse U18 siegte David Spataro vom SC Bräunlingen, U16-Meister wurde Matthias
Reimchen vom SC Bad Dürrheim und um die Meisterschaft U14 lieferten sich
Beim Schulschachturnier in Donaueschingen am 15.12.2005 spielten allein aus Villingen sieben Mannschaften mit, von denen sich drei für die Meisterschaft auf südbadischer Ebene qualifizieren konnten. Fast alle Schüler dieser Mannschaften nehmen am Schachtraining teil, das der SCV in seinen Kursen anbietet, oder haben früher daran teilgenommen.
Mit Königsgambit, Mittelgambit und Nordischem Gambit werde ich die kleine Reise durch die „Offenen Spiele“ beenden. Anschließend werde ich die Halboffenen Spiele behandeln.
Das Königsgambit wird mit seinen vielen alten Opfervarianten auch von der heutigen Generation gerne angewandt, nachdem sogar Großmeister wie Spasski, Bronstein und Fischer dieses Risiko eingegangen sind. Diejenigen, die romantische Opfer mögen, lieben es besonders. Das Wesen des Königsgambits besteht darin, daß Weiß im Kampf um das Zentrum noch vor 2.Sf3 die Stärke des f-Bauern ausnutzt und damit den Be5 angreift. Gemäß den Antworten von Schwarz teilen wir die Kapitel wie folgt ein:
Nach 1.e4 e5 2.f4
I. Abgelehntes Königsgambit
A. 2... Lc5
B. 2... d5 Falkbeers Gegengambit
II. Angenommenes Königsgambit
A. 2... exf4 3.Sf3 g5 Klassische Verteidigung
B. 2... exf4 3.Sf3 d5 Moderne Variante
I. Abgelehntes Königsgambit
A. 1.e4 e5 2.f4 Lc5
Der Zug 2.f4 hat die schwarzen Felder in der weißen Stellung geschwächt, was Schwarz nutzt; gleichzeitig stellt er eine Falle, denn auf 3.fxe5?? folgt 3...Dh4+ und 4... Dxe4± . Kraftlos wäre 2...Sf6 3.fxe5 Sxe4 4.Sf3 Sg5 5.d4 Sxf3+ 6.Dxf3 Dh4+ 7.Df2 Dxf2+ 8.Kxf2 Sc6 9.c3 d6 10.exd6 Lxd6 11.Sd2 mit klarem weißem Vorteil im Zentrum.
3.Sf3 d6 ( nicht 3...d5 wegen 4.Sxe5 dxe4 5.Dh5) 4.Sc3 Sf6 (falsch wäre 4...Sc6 wegen 5.Lb5! Lb6 6.d3 Sf6 7.Sa4! und der Läufer wird abgetauscht) 5.Lc4 Sc6 6.d3 Lg4 7.h3 Lxf3 8.Dxf3 exf4!? 9.Lxf4 Sd4 10.Dd1 c6 11.Sa4 Lb6 12.c3 Se6 13.Sxb6 axb6 14.Lg3 mit günstiger Stellung für Weiß, der über das Läuferpaar und die offene f-Linie verfügt.
B. 1.e4 e5 2.f4 d5 Falkbeers
Gegengambit
3.exd5 e4 Hier könnte man mit 3...exf4 4.Sf3 Sf6 in die Moderne Variante des angenommenen Königsgambits übergehen, die zu den besten Aufbauten zählt. 4.d3! Sf6 5.dxe4 Sxe4 6.Sf3 (6.De2 Dxd5 7.Sd2 f5 und die weißen Figuren sind eingeklemmt) 6...Lc5 7.De2 Lf5 8.Sc3 De7 9.Le3 Lxe3 10.Dxe3 Sxc3 11.Dxe7+ Kxe7 12.bxc3
Weiß droht mit Sd4, Ld3 oder 0-0-0. Schwarz möchte seinen Bauern zurückerobern:
a) 12...Lxc2 13.Kd2 Lg6
14.Te1+ Kd6 =
b) 12...Le4 13.Sg5 Lxd5 14.0–0–0 Le6 15.Sxe6 fxe6 16.Lc4 Sd7 17.The1 Sc5 18.Lxe6 Sxe6 19.f5 mit besserem Endspiel für Schwarz.
Vor 200 Jahren machte der Dichter Johann Ludwig Tieck (1773 - 1853) eine Italienreise. Von seinem einjährigen Aufenthalt 1805/1806 brachte er eine Reihe von Reisegedichten mit, darunter "Der Spaziergang". In diesem wird eine Begebenheit beschrieben, die Tieck bei einem Ausflug nach Fiesole bei Florenz widerfuhr. Als er dort mit anderen Wanderern wegen eines Gewitters in einem Franziskanerkloster einkehrte, wurden die Deutschen von den Mönchen zum Wettkampf im Schachspiel herausgefordert.
Wie wir mit den Mönchen gespeist,
erbietet man sich zu unserm Ergetzen,
Da das Wetter rauh und unfreundlich, mit uns Schach
zu spielen.
Meine Gefährten treten beschämt zurück, und ich, überrascht, als der Einzige
Der die Kunst versteht und übt, erbiete mich, der
Landsmannschaft Ehre zu retten.
Der Dichter hat zwar seit seiner Kindheit keine Figur mehr berührt und vom Schachspiel kaum mehr erfaßt als die Züge, jedoch:
Der klügste, gewandteste Pater
wird mir
Als Feldherr gegenüber gestellt, ....
Und dann schildert er, wie er trotz anfänglicher Unsicherheit durch kluges Spiel die Oberhand gewinnt und schon zu gewinnen scheint:
Der Kampf beginnt: Und ich, nur in
Aengsten,
Nicht gleich die schlimmsten Blößen zu geben,
Ziehe, im Zagen mit zaudernden Unwissen,
Und rings die andern, Alte wie Junge
Erwundern mein kluges, feines Spiel,
Der Feldherr selber weiß kaum sich zu wehren,
Und ich verstehe selbst von meinen Listen nichts.
Schon gibt man den Pater verloren, doch dann passiert das, was jeder Schachspieler schon einmal erfahren hat:
Man sagt, in drei Zügen sei ich
der Meister,
Da verläßt plötzlich der Genius den Blinden,
Und lautes Gelächter statt der Ehrfurcht
Umschallt und beschämt mich,
Denn wie ich rücke spiel' ich mich selber
In wenigen Zügen matt.
Gerald Schendel in www.chessbase.de
Matt in zwei Zügen (W. Speckmann, 1939)
W: Kc7,
Df4, Td7
S: Ke6,
Tc5, Bc6, d6
Lösung des Schachproblems Nr. 25 aus Info III/2005:
1.Ld3! Kd4/Td4/Tf6 2.Dd6:#/De7#/Dc5#. Der schwarze Turm blockt zweifach die Drohung 2.Df4# ab und ermöglicht dadurch zwei Echomatts.
Denn, um es endlich
auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des
Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
Friedrich von Schiller, 1759 - 1805