Das königliche Spiel

Der Legende nach wird dem Schachspiel (Schah = König), daher auch „Spiel der Könige“, sein Ursprung im alten Persien nachgesagt. Dem Erfinder soll vom damaligen König ein freier Wunsch gewährt worden sein, wonach er bescheiden sagte, er wolle nur auf dem ersten der 64 Felder ein Korn Reis, auf dem 2., 3., 4., …, usw. immer das Doppelte vom vorherigen – bis zum letzten. Der König willigte ein, bemerkte aber sehr bald, dass er diese ungeheure Reismenge nicht zusammenbringen konnte und ließ den armen Kerl hinrichten. Eine traurige Geschichte, deren Spiel jedoch die Zeit überdauerte. Seit Ende des 13. Jahrhunderts ist Schach auch in Europa das Spiel der Superhirne, ähnlich wie „Go“ im asiatischen Raum. Die enorme Summe, die sich auf dem Schachbrett an Reiskörnern angehäuft hätte, wird heute gern als Beispiel für exponentielles Wachstum herangezogen.

Jeder der beiden Schachspieler eines Spiels hat nur sechs verschiedene Figuren: einen König, eine Dame, zwei Läufer, zwei Springer, zwei Türme und acht Bauern. Da sich diese alle unterschiedlich setzen lassen und die Spieler abwechselnd aufeinander reagieren, hat das Spiel theoretisch 10115 bis 10120 mögliche Spielabläufe (eine 1 mit 115 bis 120 Nullen) bei etwa 1046 Spielpositionen. Dies sind gigantische Zahlen, und so ist es auch kein Wunder, dass Computer das Schachwesen dominieren. Die Kämpfe der Giganten „IBM“ (Deep Blue) gegen „Gary Kasparov“ aus den 90er Jahren sind Vergangenheit. Schach ist heute Tummelfeld für KI (Künstliche Intelligenz), und „AlphaZero“ bzw. „Leela Chess Zero“ sind dabei, Chess-Engines wie „Stockfish“ und „Houdini“ abzulösen.

Zum Glück gibt es noch traditionelle Schachclubs und menschliche Schachspieler, die sich ständig um Schachmeisterschaften bemühen. Dies geschieht im Rahmen der FIDE (Fédération Internationale des Échecs) und einem dazugehörigen Punkte-Ranking (ELO-Zahl). Der amtierende Weltmeister, Magnus Carlsen, hat eine ELO-Zahl von 2.882, während gute Club-Spieler bei 1.800 Punkten liegen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass Großmeister (GM) 2500+ Punkte besitzen müssen, International Master (IM) 2.400+ Punkte und FIDE Master 2.300+Punkte. Bei Frauen liegen die Werte etwas niedriger. Es ist nach wie vor eines der größten Rätsel des Schachs, warum Frauen die Männer noch nie überflügelt haben.

Während früher Schachpartien mehrere Tage dauern konnten, sind sie heute zeitlich begrenzt. Neben den großen Turnieren, bei denen jeder Spieler zwei Stunden Zeit hat, sind Schnellschachspiele dreißig Minuten lang. Beliebt ist bei allen Schachspielern das „Blitzschach“ (Blitzen), bei dem jeder Spieler fünf Minuten Bedenkzeit bekommt. Bei anderen Spielzeit-Modi (z.B. Gouillotine, Fischer, Bronstein, etc.) kann die Zeitnahme variieren.